In Argentinien wird ein neuer Präsident gewählt, für den rechtsextremen Kandidaten Javier Milei stehen die Chancen gut. Was das für forensische Menschenrechtler:innen bedeutet
Auf einem fahrbaren Tisch liegen die Knochen eines menschlichen Skeletts. Analía Gonzáles Simonetto beugt sich über einen Oberschenkelknochen, aus dem ein wenige Zentimeter langes Rechteck herausgefräst wurde. „Diese Knochen sind leider nicht sehr gut erhalten“, sagt Gonzáles Simonetto, „deshalb mussten mehrere Schnitte vorgenommen werden.“
Die Knochenrechtecke wurden in ein Labor für genetische Analysen geschickt, erklärt Gonzáles Simonetto. Die Ergebnisse werden dann mit der nationalen DNA-Datenbank abgeglichen. Gibt es ein Match, können die Reste des Körpers einer Familie zugeordnet und so identifiziert und beerdigt werden.
Doch was nach einem einfachen Vorgang klingt, ist ein Prozess, der sich oft über Jahre hinzieht. Gonzáles Simonetto und ihre Kolleg:innen versuchen, Morde aus der Zeit der Militärdiktatur aufzuklären. Jahre bevor die menschlichen Knochen überhaupt auf ihrem Tisch liegen, analysieren sie Schriftstücke, die etwa Hinweise auf versteckte Folterorte oder Gräber geben. Viele solcher Dokumente gibt es nicht, die Militärs haben dafür gesorgt, dass Beweisstücke über ihre Verbrechen verschwanden.
Weiterlesen auf taz.de oder im PDF
Erschienen in der wochentaz vom 21.10.- 27.10.2023
Die Recherche fand im Rahmen eines Austauschprogramms des Vereins Internationale Journalisten Programme e.V. (IJP) statt.