Wo denken Sie hin?

Foto: Marcus Spiske/Unsplash

Die Bewegung der Coronaleugner schrumpft – aber sie hat sich radikalisiert. Und sie folgt bereits der nächsten Verschwörungserzählung: der „Klimalüge“.

Die Proteste der Coronaleugner schienen sich schon fast erledigt zu haben, nur noch nicht ganz verschwunden zu sein. Angesichts dieser Erwartungshaltung rieb sich die Öffentlichkeit Anfang des Monats die Augen, als die Bilanz einer nicht genehmigten Demonstration in Berlin bekannt wurde: 950 Festnahmen, 503 Ermittlungsverfahren, 75 verletzte Po­li­zis­t:in­nen. Etliche Videos zeigen, wie Protestierende Polizeiketten durchbrachen. Ein Medienvertreter wurde vom Rad gezerrt und verprügelt. Einer der Demonstranten drohte einem Polizisten mit den Worten: „Ihr werdet euch rechtfertigen müssen für all das.“ Die Szenen erinnern an die Proteste vom vergangenen Jahr, als Demonstrierende bis auf die Treppe des Reichstags vordrangen.

Damals schien die Bewegung auf ihrem Zenit zu stehen. Die Atmosphäre auf ihren Demonstrationen atmete eine Mischung aus hippieskem Festival und patriotischem Volksfest. Das Gefühl, Teil einer gemeinsamen großen Bewegung zu sein, gipfelte in einem Kampfgeist, der immer mehr An­hän­ge­r:in­nen dazu brachte, von einem bevorstehenden „Systemsturz“ zu fantasieren.

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Veröffentlicht in der taz vom 20. August 2021